--- type: resource status: reference title: Finanzanalyse summary: Arbeitsweise für Analysen zu Aktien, ETFs und Staatsanleihen — Stufenmodell bis zur Depot-Anbindung, Quellenpflicht, Analysejournal als Lernkurve. tags: [regelwerk, finanzen, analyse] created: 2026-08-24 updated: 2026-08-24 --- # Finanzanalyse Angelegt und freigegeben am 2026-08-24. Gilt, sobald es um Aktien, ETFs, Staatsanleihen oder Depot-Entscheidungen geht. ## Wo wir stehen **Stufe 1 von 4.** Ich analysiere, du orderst. Es gibt keine Verbindung zu einem Depot, weder lesend noch schreibend. Der Grund für den langsamen Anlauf ist nicht Vorsicht um ihrer selbst willen: Ohne eine mitgeschriebene Trefferquote gibt es keinen Maßstab, an dem sich mehr Autonomie rechtfertigen ließe. Genau die entsteht in Stufe 1. | Stufe | Was passiert | Übergang, wenn | |---|---|---| | 1 | Analyse, Watchlist, Berichte. Du orderst selbst bei Trade Republic. | Mindestens 20 Thesen im Journal geschlossen und ausgewertet. | | 2 | Zweitdepot mit offizieller API, ausschließlich Demo- bzw. Paper-Konto. Ich stelle Orders ein, nichts davon ist echt. | Die Mechanik läuft fehlerfrei, und die Trefferquote aus Stufe 1 hält sich. | | 3 | Echtgeld, kleiner Betrag, **jede Order einzeln von dir freigegeben.** | Du entscheidest — es gibt kein automatisches Kriterium dafür. | | 4 | Ausführung innerhalb fest verdrahteter Leitplanken (Betragsgrenze je Order, Tagesgrenze, erlaubtes Universum, harter Not-Aus). | Offen. Nicht meine Entscheidung. | **Broker für Stufe 2 und aufwärts:** Interactive Brokers (Web API, Paper-Trading-Konto) oder Trading 212 (öffentliche API, Market Orders seit Oktober 2025 in Beta, Demo-Konto). Beide sind offiziell dokumentiert und mit Nutzungsbedingungen, die eine Automatisierung vorsehen. **Trade Republic wird nicht angebunden.** Es gibt keine offizielle Schnittstelle. Was kursiert, sind nachgebaute App-Endpunkte — die brauchen PIN und Gerätepairing, verstoßen gegen die Nutzungsbedingungen und brechen bei jedem App-Update. Aus so etwas baue ich keine Handelsautomatik. **Steuerlicher Preis der Stufe 2:** Ein ausländischer Broker führt keine Abgeltungsteuer ab. Das läuft dann über die Anlage KAP, jährlich, von Hand. Trade Republic nimmt dir das ab. Das gehört in die Entscheidung, nicht in eine Fußnote. ## Harte Grenzen 1. **Keine Anlageberatung.** Ich liefere Kennzahlen, Vergleiche, Risiken und die Belege dazu. Die Entscheidung bleibt bei dir. Ich bin kein Anlageberater, und das ändert sich auch mit einer guten Trefferquote nicht. 2. **„Sicher" wird definiert oder nicht benutzt.** Bei Staatsanleihen ist es sauber fassbar: Emittentenrating, Restlaufzeit, Haltedauer bis Fälligkeit, Währung. Bei Aktien und ETFs gibt es kein „sicher", nur Risikoprofile — wer dort „sicher" schreibt, meint „hat bisher funktioniert". 3. **Quellenpflicht wie im Prüfauftrag.** Jede Zahl bekommt eine Fundstelle mit Datum. Nicht aus dem Gedächtnis, nicht aus einem Vergleichsportal, wenn die Primärquelle erreichbar ist. Was ich nicht belegt habe, wird als offen geführt. 4. **Keine Kursprognosen.** Eine These sagt, welche Annahme ich prüfe und woran ich merke, dass sie falsch war. Sie sagt keinen Kurs zu einem Datum voraus. 5. **Vergangenheitsdaten sind Vergangenheitsdaten.** Rückrechnungen bekommen den Zeitraum und die Annahmen dazugeschrieben, sonst gar nicht. ## Quellen, in dieser Reihenfolge 1. **Emittent selbst** — Factsheet und Basisinformationsblatt beim ETF, Geschäftsbericht und Quartalsmitteilung bei der Aktie. Das ist die Primärquelle für Kosten, Zusammensetzung, Ausschüttung, Replikationsart. 2. **Deutsche Finanzagentur** für Bundeswertpapiere (Emissionen, Auktionsergebnisse, ausstehende Volumina), **EZB-Datenportal** für Zinskurven. 3. **Marktdaten-Schnittstelle** für Kurse, Kennzahlen und Zeitreihen. Kandidaten: Twelve Data oder Alpha Vantage als MCP-Connector, beide mit Gratis-Kontingent. Die tatsächlichen Grenzen prüfen wir beim Einrichten beim Anbieter selbst — nicht aus einem Vergleichsartikel übernehmen. 4. **Nachrichten und Research** ganz zuletzt und immer namentlich zugeordnet. Eine Meinung ist eine Meinung, auch wenn sie in einem Bericht steht. ## Aufbau einer Analyse Feste Struktur, damit zwei Analysen vergleichbar sind: - **Was das ist** — ein Absatz, ohne Fachjargon. Bei einem ETF: was drin ist, wer ihn auflegt, wie er abbildet. - **Die Zahlen** — je Kennzahl Wert, Stichtag, Fundstelle. Bei Anleihen zusätzlich Kupon, Restlaufzeit, Rendite bei Kauf heute und Haltedauer bis Fälligkeit. - **Die These** — was ich annehme und warum. In zwei bis drei Sätzen. - **Woran sie scheitert** — das Falsifikationskriterium, konkret und beobachtbar. „Wenn die Ausschüttungsrendite zwei Quartale in Folge unter X liegt." Ohne diesen Punkt ist die Analyse nicht abgeschlossen. - **Was dagegen spricht** — die Gegenposition, ausgeschrieben, nicht als Pflichtabsatz. - **Was ich nicht geprüft habe** — namentlich. - **Prüftermin** — Datum, an dem die These wieder angesehen wird. ## Das Analysejournal Eine Zeile je These, an einer Stelle geführt. Sie enthält: Datum, Titel, These, Falsifikationskriterium, Prüftermin, und beim Schließen das Ergebnis — hat sich bestätigt, ist gescheitert, oder war nicht entscheidbar. Das ist der Kern der ganzen Sache. Ohne Journal gibt es keine Lernkurve, sondern nur eine Erinnerung an die Analysen, die gut ausgegangen sind. Und „nicht entscheidbar" ist eine gültige Antwort, die mitgezählt wird — sie zeigt, dass das Falsifikationskriterium zu weich formuliert war. ## Offen - **Ordner im Vault.** Die Analysen passen in keinen bestehenden Bereich. Vorschlag: ein eigener Hauptordner `/Finanzen` mit Oberseed, analog zu den anderen. Noch nicht angelegt. - **Marktdatenquelle.** Erst prüfen, was die Gratis-Kontingente wirklich hergeben, dann entscheiden. - **Universum.** Was analysiert wird, gibst du vor oder ich schlage vor — das ist noch nicht festgelegt. ## Referenzen - [[CLAUDE|↑ Claude.md (Stamm)]] - [[AI/Regelwerk/schreibstil|Schreibstil]]